War Never Ends – Part 200

Vor ihnen ragte eine Pyramide knapp einen Kilometer in die Höhe. Die Bodenplatte überspannte dabei ganze vier Quadratkilometer. Die Oberfläche war glatt, metallen. Die Spitze reflektierte die hochstehende Sonne und blendete die kleine Gruppe, die sich dem Fuß des Monuments näherten. Dutzende Brücken führten von verschiedensten Seiten zu Schotts an der Außenwand der Pyramide. Die Zugangstore ware Gewaltig, wie alles in der Stadt, ausgelegt für die riesigen Körper der Drachen. Schließlich standen sie vor dem gut 25 Meter hohen Schott. “Und jetzt?” fragte der Soldat zweifelnd. Nichts was sie dabei hatten, würde auch nur ansatzweise reichen, um ein Loch in das massive… Metall? zu reißen. Doch Michael schon einen Plan zu haben. Seine Hand glitt vorsichtig über das Metall, als suche er etwas. Kell ließ seinen Blick über die Umgebung Wandern. Er hatte in seinem bisherigen Leben nichts gesehen, was auch nur ansatzweise an dies heran kam. Ein lautes Dröhnen erklang, dann ein kratzen. Dann schoben sich die Torflügel langsam auf. Ein Windstoß kam ihnen entgegen, als hätte im inneren der Pyramide Überdruck geherrscht. Die Luftmassen trieben eine Wand aus Staub vor sich her. Die feinen Partikel setzten sich in ihren Lungen fest und verursachten Hustenanfälle. Hinter dem nun offenen Tor starrten sie in eine undurchdringbare Schwärze. Das Licht der Sonne reichte nur wenige Meter in den Innenraum und enthüllte… nichts. Der Soldat aktivierte das TacLight seiner Waffe und machte einen Schritt ins Innere des Gebäudes. Ein einzelnes Licht erschien. Ein heller Punkt in der Schwärze. Der Rest der Gruppe folgte dem Soldaten. Kaum hatten alle die Schwelle des Tor überschritten, erklang erneut das Dröhnen und die beiden Flügel verschlossen den Zugang wieder. Eine Durchsage in einer unbekannten Sprache hallte durch den Raum. Dann folgte dieselbe auf der Sprache der Elfen, Zwerge, der Menschen und schließlich noch im Landesstandard. “Wir müssen ihnen leider Mitteilen, dass der Zugang zu den Archiven bis auf weiteres für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Wenn sie dennoch Zugriff benötigen, wenden sie sich bitte an die Verwaltung. Vielen Dank für ihr Verständnis.” Langsam wurde es heller. Vor ihnen wurde ein Unübersichtliches Chaos aus Stegen, Plattformen, Treppen, Fahrstühlen sichtbar. Tafeln und Schilder in fünf verschiedenen Sprachen wiesen auf verschiedene öffentliche Einrichtungen und Büros hin. “Hauptverwaltung”, ”Öffentlichkeitsarbeit”, “Transport”, “Archive”… Das Schild wies auf einen Fahrstuhl, der in die Tiefe führte. Die gläserne Kabine sank langsam in die Schwärze unter ihnen. Die Wege und Plattformen über ihnen wurde immer kleiner, bis sie schließlich in der Finsternis verschwanden. Sie schwebten durch ein schier unendliches Nichts, von dem sie nur fünf dünne Glasscheiben trennten. “Wer baut so etwas? Was hat das hier alles für einen Sinn?” Niemand konnte Kells Frage beantworten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, Minuten, Stunden? schälten sich unter ihnen leuchtende Linien aus der Dunkelheit. Geometrische Muster, die ein Labyrinth bildeten, dass sich scheinbar endlos in alle Richtungen fortsetzte.

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War Never Ends – Part 199

Die Stadt schien verlassen. Nichts bewegte sich. Auch wenn die silbernen Ranken organisch wirkten, schien es in den Häuserschluchten kein Leben zu geben. Keine Tiere, keine Pflanzen. Michael stand bereits an der herunter gelassenen Rampe, als Kell dazu stieß. Auf dem Rücken des Reptils hing ein Gewehr mit aufgesetztem Thermalvisier und eine kleine Tasche. An einem Brustgurt trug er zusätzliche Magazine und Granaten, und seinem Gürtel baumelte eine Pistole. Neben ihm tauchte lautlos Selina auf. Kell beäugte sie etwas misstrauisch und angesichts ihrer Ausrüstung verwundert, verkniff sich jedoch ein Kommentar. Der Soldat hatte sich einen Körperpanzer übergezogen, auf der Brustplatte prangte das Emblem des Ordens. Ein Umstand, der ihm offensichtlich nicht gefiel, weshalb er das Logo mit einem Streifen grauen Klebebands verdeckt hatte. Er trug wie Kell ein Sturmgewehr auf dem Rücken, hatte dieses jedoch mit einem Zielfernrohr, einem Laserpointer und einem Frontgriff ausgestattet. Zusätzlich trug er noch ein Splittergewehr für den Kampf auf kurze Distanz. Kollins trug seinen üblichen, inzwischen von starken Nutzungsspuren gezeichneten Brustpanzer und ein schweres Sturmgewehr mit aufgesetztem Unterlaufgranatwerfer. Ein mit Magazinen und Granaten bestückter Gurt führte quer über seine Brust. Michael selbst trug nur seinen, inzwischen geflickten Mantel und ein unmodifiziertes Maschinengewehr. Als Kollins als letzter neben ihm Auftauchte, nickte er ihm kurz zu. “Wir brechen auf!” Verkündete er mit lauter, kräftiger Stimme. Die kleine Gruppe marschierte über den leeren Platz, der von gigantischen Wolkenkratzern eingerahmt wurde. Niemand sprach ein Wort. Die meisten waren auch zu überwältigt von den Strukturen um sie herum. An einigen Stellen schienen die Gebäude weiter zu wachsen, neue Wege und Plätze entstanden, andere bildeten sich zurück, um neuem zu weichen. Hoffentlich waren die wichtigen Systeme noch dort, wo sie ursprünglich errichtet worden waren. Existierten sie überhaupt noch, oder hatte die Rekonstruktion die entsprechenden Gebäude und Anlagen verschwinden lassen. Die Stadt machte einen unheimlichen Eindruck. Die Teile, die noch immer intakt schienen, verstärkten den Eindruck nur noch mehr. Kell schaute immer wieder nervös durch sein Thermovisier, doch konnte er außer, im Boden verlaufenden Energieleitungen, nichts erkennen. Die Stadt war tot.

War Never Ends – Part 198

Am Horizont wurden weitere, gigantische Strukturen Sichtbar. Unzählige Türme, die bis weit über die Wolken reichten. Michael starrte ungläubig auf die Silhouette der Stadt. War es eine Illusion? Eine Fata Morgana? Ein Trick? Die Stadt war im Krieg fast vollständig ausradiert worden. Dort durften kaum mehr sein, als ein paar ausgebrannte Ruinen und dennoch wurde die Konturen der Stadt immer deutlicher. Die Glasfronten und weißen Hausfassaden warfen das Licht der Sonne zurück, was die Stadt noch unwirklicher wirken ließ. Schnell wuchsen die Gebäude so hoch, dass sie die Spitzen aus den Augen verloren. Die Reste einer wabenartigen Mauer markierten die ehemalige Stadtgrenze. Michael verringerte die Geschwindigkeit der Praecursoris. Es war ein Wunde, dass die Stadt noch stand, doch der Krieg hatte sie dennoch mitgenommen. Viele der Gebäude standen schief, waren verdreht, oder gewuchert, wie die Strukturen, die ihnen zuvor begegnet waren. Feine Netze aus Silbernen Ranken überzogen die Oberflächen der Stadt, wie Efeu altes Gemäuer. Schon bald wurde die Stadt zu Dicht um mit der Yacht noch gut manövrieren zu können. Also landete Michael das Hovercraft auf einem freien Platz, der noch nicht von den seltsamen Ranke bedeckt war. Die Repulsoren bliesen den Staub davon, der sich auf der Kunststoffoberfläche niedergeschlagen hatte. Die Landebeine der Praecursoris setzten vorsichtig auf dem Platz auf und das Pfeifen der Antriebe klang ab. Die Crew versammelte sich im Frachtraum. “Möglicherweise ist dies die letzte Station unserer Reise!” setzte Michael an. Seine Stimme war laut und kräftig, was in dem Abgeschlossenen Raum im Bug des Hovercrafts besonders wirkte. “Wir haben auf der Reise verluste Erlitten. Freunde sind von uns gegangen. Wir haben uns Feinde gemacht. Doch seit unserem Start vor nun knapp 5 Monaten, haben wir viel erreicht. Wir haben neue Freunde und Mitstreiter gefunden, haben unsere alte Sunset gegen dieses Prachtstück hier getauscht…” er strich über eine Strebe neben sich, als wäre die Praecursoris ein Haustier. “… und uns auf die Spur der Geheimnisse der Drachen begeben. Eine Spur, die uns schlussendlich hierher geführt hat.” Irgendwo in diesen Ruinen lagen die Antworten die sie suchten, das hoffte wenigstens Michael. “Kayena und Beran. Ihr haltet die Stellung. Haltet die Prae auf Standby. Der Rest rüstet sich aus und sammelt sich an der Rampe!” Ohne auch nur abzuwarten, ob es Fragen gab, wandte er sich ab und suchte seine Persönliche Ausrüstung zusammen. Ein schweres Sturmgewehr mit Panzerbrechender Munition, Ersatzmagazine, Handgranaten und vieles weiteres Verstaute er in den Taschen seines Mantels. Kell setzte auf ein leichteres Gewehr, das ihn in seiner Bewegungsfreiheit nicht so sehr eingeschränkte. Selina hatte sich in ihre Kabine zurückgezogen. Unter ihrer Schlafpritsche zog sie einen länglichen Koffer hervor. Auf dem Deckel prangte das Logo des Ordens, darunter zwei gekreuzte Schwerter und ein Totenschädel. Auf den ersten Blick wirkte das Schwert wie eine antiquierte Waffen, die eher in ein Museum gehörte, doch man sollte sich vom Eindruck nicht täuschen lassen. Sie Schnalle sich die Schweide der Waffe auf den Rücken und schob die filigran wirkende, transparente Klinge hinein. Eine Pistole und zwei Dolche vervollständigte ihre Bewaffnung.

War Never Ends – Part 197

Die ehemalige Heimat der Drachen war heute ein Sperrgebiet. Große, blinkende Masten markierten die unsichtbare Grenze und als sie sie passierten, spürte die Crew etwas. Es war, als hätte die Luft sich schlagartig verändert. Als wäre sie mit einer unbekannten Energie geladen, vielleicht war sogar genau das der Fall. Das Bild der Armaturen verschwamm für einen Moment. Dann war alles wieder Normal. Nur das leichte Kribbeln auf der Haut blieb. In der Ferne erhoben sich die Gerippe gigantischer Strukturen. Die Überreste eines Vorpostens der Drachen, die über 1000 Meter in den Himmel raagten. Die Spitze des Gebildes war abgebrochen, früher war es wahrscheinlich noch viel höher gewesen. Auf dem verbrannten, trockenen Boden lagen Wracks und Trümmer verschiedener Hovercrafts. Menschen, Zwerge, Elfen und auch vereinzelt Drachen Modelle. Die gewaltigen, aber dennoch eleganten, Schweber, mit den ausladenden Flügeln, waren unverkennbar. Einer von ihnen steckte quer im Boden, die freie Schwinge reichte gut 100 Meter in die Höhe und wirkte dabei fast wie das Blatt einer riesigen silber grauen Pflanze. Sie machten einen Bogen um die Struktur und steuerten unter einer Stütze durch, die gute 400 Meter weit ins Land reichte. Der obere Bogen der Konstruktion hatte einen Durchmesser von knapp 50 Meter und waren über und über bedeckt mit feinen Strukturen, Plattformen, Antennen, Leitungen und Stegen. Eine weitere Stütze war umgestürzt und hatte sich mit dem Ausleger in den Boden gebohrt. Dabei hatte er eine Reihe an Meterdicken Pipelines durchtrennt, die in Richtung Berge führten. Sie ließen den Turm hinter sich und folgten den Rohren. Dabei drangen sie immer weiter ins ehemalige Reich der Drachen ein. Die Gebäude, die ihnen auf ihrer Reise begegneten, wurden immer Abstrakter und wirkten bald mehr wie Tumore, als geplante und gebaute Gebilde. Sie wanden und drehten sich, waren Stellenweise stark gestreckt oder wiesen sonstige Deformationen auf. Als wären es Pflanzen, die ohne regelmäßige Pflege begonnen hatten unkontrolliert zu Wuchern. Leitungen und Rohre überzogen die Oberflächen und wirkten wie Adern die die Strukturen mit notwendigen Nährstoffen versorgten.

War Never Ends – Part 196

Michael steuerte das Hovercraft hinaus auf die Ebene und verringerte schnell die Höhe. Knapp 20 Meter über dem Boden zogen sie über die dürre Steppe hinweg. Der Wirbel, der hinter ihnen entstand sog Staub vom Boden auf, wodurch sie eine graubraune Fahne hinter sich herzogen. Bis zum Horizont war nichts zu sehen, als trockene Erde und vereinzelte Gruppen dürrer Bäume und Sträucher. Michael prüfte die Navigation. Er musste sich auf die schwachen Signale der wenigen, nach dem Krieg verbliebenen Satelliten und den Kompass des NavSystems verlassen, doch laut diesen waren sie weiter auf Kurs. Ihr Kontakt mit der Radarstation hatte scheinbar keine Folgen gehabt. Wahrscheinlich waren sie schnell genug verschwunden, wodurch die Meldungen als Fehler deklariert worden waren. Oder jemand dort hatte keine Lust auf den durch die Meldung entstehenden bürokratischen Aufwand. Ein Gruppe Wesen mit großen Ledernen Schwingen folgte ihnen und nutzten dabei den Wirbel aus, den sie hinter sich herzogen. Bei genauerer Betrachtung wirkten die Wesen wie Fledermäuse, doch waren die Schwingen ein vielfaches Größer wie der eigentliche Körper. Immer wieder wagten sie, ohne ersichtlichen Grund, riskant wirkende Manöver, schlugen Loopings oder drehten, mit angelegten Flügeln, Spiralen. Sie folgten dem Hovercraft fast eine Stunde, bevor sie sich von ihnen lösten und in Richtung Westen entfernten. Die Sonne brannte auf die Ebene hinab, der Himmel war Wolkenfrei. Die Klimaanlage der Praecursoris, sorgte für angenehme Temperaturen im Innenraum, doch außerhalb, war das Thermometer auf 35 Grad geklettert. Kell stand auf dem Deck und sonnte sich. Das Reptil genoss, mit geschlossenen Augen, die Wärme. Selbst der Wind, der über und um ihn herum floss war angenehm warm. Der Rest der Crew hatte sich in die Lodge oder ihre Kabinen zurück gezogen. Die Stunden verstrichen, ohne dass etwas passierte. Der Soldat löste Michael am Steuer ab, der daraufhin Wortlos in seiner Kabine verschwand. Er schloss die schmale Tür hinter sich und verriegelte sie. Die Praecursoris führte einige leichte Kurskorrekturen durch. Ihr Ziel war noch mehrere Tage entfernt, doch wenn Nichts dazwischen kam, konnten sie die Strecke ohne eine Zwischenlandung zurücklegen.

War Never Ends – Part 195

Die Sensoren schlugen an und gaben Warnungen aus. Die Geräusche weckte den Soldaten, der auf der Pritsche in seiner Kabine lag. Das schrille Geräusch bohrte sich in seinen Kopf. Er rutschte von der dünnen Matratze und taumelte zu dem Terminal, das in die Wand eingelassen war. “Annäherungs Alarm!” Zwei Gestalten näherten sich den Hovercrafts. Das Licht in der Kabine war noch immer ausgeschalten, doch eine kleine Rote Lampe zeigte die Position des Türschalters. Er schlug gegen die Bedienfläche und das Schott seiner Kabine öffnete sich. Das Licht war gedimmt, die Innenbeleuchtung der Praecursoris war im Nachtmodus. Die Tür zum Maschinenraum stand einen Spalt offen und dahinter hörter er, neben dem Brummen der Reaktoren leises Fluchen. Etwas schweres fiel auf den Boden. Ein weiterer Fluch. Der Soldat folgte dem Gang in die Gegenrichtung. Durch ein Schott gelangte er in den Frachtraum. Im vorbeigehen schnappte er sich ein Gewehr aus einer Kiste und lud es durch. Jemand klopfte von Außen gegen das Schott. Die schwere Panzertür öffnete sich einen Spalt. Dahinter kam Berans breites Gesicht zum Vorschein. “Da pass ich niemals durch…” stellte der Zwerg fest. Der Soldat öffnete das Schott und Beran stolperte herein. Kell folgte ihm, rückwärts und die Waffe erhoben. Erst als das Tor wieder verschlossen war, senkte er den Lauf des Gewehrs. “Dann sind wir ja wieder vollständig.” Michael stand im hinteren Bereich des Frachtraums. “Wir starten in einer Stunde. Kollin, Beran. Ihr beiden Prüft die Ladung. Haben wir alles und vorallem, ist alles Gesichert.” Er zeigte auf den Soldaten. “In 5 Minuten auf der Brücke. Wir müssen die Flugroute planen.” Dann verließ er den Raum. “Willkommen zurück.” schloss der Soldat ab, bevor er ebenfalls den Frachtraum verließ und wieder in die Lodge hinauf stieg.

Die beiden Hovercrafts stiegen auf, bis knapp über die Wipfel der Bäume. Michael stand an den Kontrollen der größeren Yacht. Die Beleuchtung war noch immer ausgeschalten. Nur die Konsole vor ihm glimmte leicht. Doch für Michaels Silberne Augen stellte es kein Problem dar. Sein Blick sprang immer wieder zwischen dem Umgebungsscanner, dem Navigationssystem und der Fernsteuerung des Jägers hin und her. Das kleinere Zwergen Hovercraft hielt sich schräg hinter der Yacht und folgte jedem Manöver, das Michael mit der Prae ausführte. Ihr Ziel lag im Nordosten, am Rand des Gebirges, dass die Tiefebene begrenzte. Ihre Flucht aus dem Zwergen Gebiet war Ereignislos verstrichen. Niemand hatte sie verfolgt. Niemand war auf der Suche nach ihnen. Sie hatten einmal sogar eine Radarstation passiert, wobei die beiden Hovercrafts zwar schnell in einen Canyon abgetaucht waren. Dennoch musste man sie gesehen haben.

War Never Ends – Part 194

Die Reaktoren der Praecursoris liefen auf minimal Leistung. Sie lieferten gerade mal genug Leistung für die Innenbeleuchtung und die Umgebungssensoren. Dennoch waren die Systeme bereit, binnen Minuten auf volle Leistung zu gehen. Würden sie entdeckt werden, mussten sie schnellstmöglich in Gefechts und Fluchtbereitschaft sein. Kayena lag in ihrer Kabine. Die Augen geöffnet und starrte gegen die Decke. Sie wollte schlafen, sich vom Stress der letzten Tage erholen, um einsatzbereit zu sein, wenn es darauf ankam, doch das Adrenalin ließ sie nicht. Das leise Brummen der Reaktoren drang durch die Metallwand, der ihre Kabine vom Maschinenraum trennte. Ein leises Klackern erreichte ihr gehör und verdrängte endgültig die letzten Hoffnung auf schlaf. Sie rappelte sich auf und verließ ihre Kabine. Neben der Leiter, die in die Lodge hinauf Führte, gab es eine schmale Tür, durch die man in die Innereien des Hovercrafts gelangte. Ein metallener Geruch lag in der Luft. Die meisten hätten ihn unangenehm gefunden, für Kayena war er jedoch etwas vertrautes, fast heimisches. Sie hatte ihr gesamtes Leben auf Schiffen und U-Booten verbracht. Selten war sie auf den Plattformen gewesen und dies war ihre erste Reise aufs Festland. In den Leitungen über ihr gluckerten Flüssigkeiten durch Metall und Plastik Rohre und Schläuche. Sie blieb stehen und lauschte. Das Klacken schien aus dem hinteren Bereich des Maschinenraums zu kommen, vermutlich von den Transformatoren oder dem Reaktor. Aus einer Nische neben der Tür zog sie einen kleinen Werkzeugkasten und zwängte sich dann durch den mit Maschinen und Aggregaten vollgepackten Raum. Die Ursache des Geräusches fand sie in einer der Brennstoffpumpen des Reaktors. Ein winziges, unwichtiges, Ventil war verstopft und hatte sich verklemmt. Also setzte sie sich daran das betroffene Teil zu demontieren und reinigen.

Die Thermalsicht zeige eine größere Wärmequelle vor ihnen. Vorsichtig traten sie auf die kleine Lichtung, die zu ihrer linken Seite bis zum Ufer des Flusses reichte. Zu ihrer Rechten, unter den ausladenden Kronen einiger größerer Bäume lagen die beiden Hovercrafts. Der Jäger wirkte im direkten Kontrast zur Hover Yacht fast winzig. Die Oberkante reichte nicht ganz bis zum Deck der Praecursoris. Der Jäger war kalt. Reaktor und Triebwerke abgekühlt. Die Yacht strahlte eine leichte Wärmesignatur ab. Der Zwerg trat zuerst aus dem Gestrüpp und schüttelte den Schmutz, die Kletten und Insekten ab, die sich an seiner Rüstung und Kleidung festgeklammert hatten. Kell verließ hinter ihm den Wald. Die Waffe noch immer gehoben prüfte er die Umgebung. An der Rampe der Yacht bewegte sich etwas. Durch die Wärme, die das Hovercraft abstrahlte, wurde die Gestalt verzerrt… Langsam näherten sie sich. Das Licht des Mondes wurde durch das Blätterdach größtenteils zurückgehalten wodurch der Bereich unter dem Rumpf der Prae im Schatten verschwand und mit bloßem Auge nicht einsehbar war. Das Wesen war hatte fast menschliche Umrisse. War es Michael, oder der Soldat? Beran trat auf eine Ast. Das laute Knacken hallte über die Lichtung. Das Wesen wandte sich ihnen zu, sank dann auf alle viere und verschwand mit großen Sprüngen im Wald.